Achtung IFRS – Bilanzierer: Zum 1. Januar 2018 müssen IFRS-Anwender den neuen IFRS 15 Umsatzerlöse aus Verträgen mit Kunden umsetzen. Dies kann zu erheblichen Auswirkungen in der Rechnungslegung führen, sodass es gegebenenfalls Sinn macht, den Standard zulässigerweise schon im Geschäftsjahr 2017 anzuwenden.

Am 28. Mai 2014 hatten das IASB und das US-amerikanische FASB im Rahmen eines Konvergenzprojektes den neuen IFRS 15 Umsatzerlöse aus Verträgen mit Kunden veröffentlicht. Mit dem neuen Standard wird seitens der Standardsetter IASB für die IFRS bzw. das FASB für die US-GAAP das Ziel verfolgt, für beide Rechnungslegungskreise die Umsatzrealisierung in einem (weitgehend) einheitlichen Standard zu regeln.

Der neue Standard sollte ursprünglich für Berichtsjahre in Kraft treten, die am oder nach dem 1. Januar 2017 beginnen. Aufgrund von Verzögerungen während des Endorsmentverfahrens hatte das IASB am 11. September 2015 den Zeitpunkt des Inkrafttretens auf den 1. Januar 2018 verschoben.

Mit der Anwendung des IFRS 15 werden eine Reihe von Standards vollständig ersetzt: IAS 11 Fertigungsaufträge, IAS 18 Erlöse, IFRIC 13 Kundenbindungsprogramme, IFRIC 15 Vereinbarungen über die Errichtung von Immobilien, IFRIC 18 Übertragungen von Vermögenswerten von Kunden.

Der IFRS 15 ist auf alle Verträge mit Kunden über die Veräußerung von Waren bzw. Erbringung von Dienstleistungen anzuwenden. Keine Anwendung findet der neue Standard auf Leasingverhältnisse (IAS 17), Finanzinstrumente (IFRS 9), Versicherungsverträge (IFRS 4), Konzernabschlüsse (IFRS 10), Gemeinsame Vereinbarungen (IFRS 11), Separate Abschlüsse (IAS 27) und Anteile an assoziierten Unternehmen (IAS 28).

Im Kern regelt der neue Standard die Umsatzrealisierung nach dem Prinzip des Kontrollüberganges (control approach). Dieses Prinzip wird über ein 5-stufiges Rahmenmodell konkretisiert, das keine branchenüblichen Anforderungen oder transaktionstypische Besonderheiten – wie es noch die US-GAAP vorsahen – berücksichtigt. Dies impliziert, dass die konkrete Umsetzung des Models in die Praxis mit erheblichen Problemen verbunden sein kann.

Die Konsequenzen des neuen Standards werden sich in den verschiedenen Branchen unterschiedlich bemerkbar machen. Insbesondere IFRS – Anwender mit komplexen Mehrkomponentenverträgen (z. B. in der Telekommunikation, Energiewirtschaft) müssen sich ggf. auf nicht unwesentliche Veränderungen einstellen. So müssen z.B. die Umsatzerlöse zu einem Zeitpunkt oder einem Zeitraum erfasst werden und ggf. vorgezogen oder aufgeschoben werden. Auch die mit der Umsetzung des neuen Standards verbundenen Schätzungen und Ermessensentscheidungen machen eine Anwendung in der Praxis nicht einfacher.

Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, schon vor der Erstanwendung die Einführung und Umsetzung des neuen Standards zu reflektieren.